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Geschichten vom Arrenberg - 20. Luglio 2021

Anpacken mit Händchen fürs Komplexe

Der Arrenberger Thomas Drescher redet, doch er macht auch –
zum Bespiel Fitness-Highlights aus Industriebrachen.

Vor nicht so langer Zeit stand Thomas Drescher im längst verwaisten Gaskessel in Heckinghausen. Ein leeres Ungetüm, Metall ringsum, gut sechzig Meter hoch. Er ließ die Blicke schweifen, und Andreas Mucke sagte höflich: „Ich lass Sie mal allein.“ Der heutige OB war damals noch Quartiersmanager und zeigte dem Bauunternehmer für die Stadtwerke den Kessel – dringend brauchte das Trumm in dem reizarmen Stadtteil Ideen für eine sinnvolle Zukunft. 2018 nun geht der neue Gaskessel an den Start – Premium-Fitness, Gastronomie, Lichtkunst plus spektakuläre Sicht. Ein Leuchtturmprojekt.

Zwei Dinge sagt die Episode über Drescher: Ganz offensichtlich blieb es nicht beim Schweifen. Und: Man ließ ihn machen. Denn diese Vision war nicht seine erste, und er ist erfolgreich mit solchen Visionen. 

Thomas Drescher ist Investor, der Mann hinter Bauprojekten überall in der Stadt, doch er lebt und wirkt auch am Arrenberg. Der „Sportpark“ ist sein Erfolgsmodell und die Version „Alte Papierfabrik“ an der Friedrich-Ebert-Straße davon vielleicht die anspruchsvollste: Gut und gern fünfzehn Jahre brauchte der einst museumsreife Ort bis zum heutigen Komplex, zu dem auch ein Restaurant im Mexico Style und eine Indoor-Minigolfanlage gehören. Zur anderen Seite hin sind Lofts und Büros angesiedelt. Und bei allem Chic: Das geschichtssatte Setting bleibt unverwechselbar.
Begonnen hat Drescher im Sportsektor 1989 in Vohwinkel – damals für Tennis, Squash und Badminton. Fitnessstudios der gehobenen Klasse richtete er dann auch am Elberfelder Neumarkt sowie auf Lichtscheid ein. Die Projekte waren aber immer mehr als das, denn Drescher liebt Herausforderungen. Ist doch etwa der Lichtscheider Bau ein einstiges Umspannwerk, was eigentlich weder sexy klang noch besonders sportlich. Umwidmung, Entkernung, Revitalisierung: Das ist sein Ding – und komplizierter, als einen schnöden Neubau hochzuziehen.

Visionen finanzieren sich nicht von selbst. Schon 1988 bewies aber ein früher Streich des ausgebildeten Groß- und Einzelhandelskaufmanns, dass er Gelder auch zu generieren versteht. Eine Geschichte, die seitdem gern erzählt wird, weil sie so frappiert und schön den Wert von Hartnäckigkeit demonstriert: „Zwei Komma sieben Millionen Euro“ brauche er bitte für das Tenniscenter, hatte der junge Mann treuherzig seinen Kreditwunsch beziffert und nur höfliche Ablehnung geerntet. Forsch bat er um einen Kontakt zum Verantwortlichen, erhielt wider Erwarten einen Termin – und der war passionierter Tennisspieler. Er präsentierte seine Pläne, und nach Tagen kam der Anruf: Der Kredit war bewilligt.

Beharrlichkeit allein führt natürlich nicht ans Ziel – letztlich punkten Fakten. Dazu mag gehören, dass der Arrenberger die Bauleitung nicht abgibt und nahe am Geschehen bleibt: „Ich baue immer selber mit“, ist eine Devise. „Langsam, stetig und aus eigener Kraft“ eine weitere, die grundsätzlicher wird und anderswo altbacken klingen könnte, hier aber nur die Verlässlichkeit unterstreicht. Denn einfach können andere – umso wichtiger die seriöse Einschätzung als Basis. Der neue Heckinghauser Turm wird dieses Jahr feierlich eröffnet, und „es ist der erste Kessel weltweit, der geöffnet wird“.

Mut zum Risiko brauchte auch Dreschers persönliches Highlight bis dato, das sich quasi am Arrenberg findet, und langer Atem kam hinzu: Die Alte Papierfabrik an der Friedrich-Ebert-Straße trägt ihre Vergangenheit bis heute im Namen, doch das lässt die Ausgangslage einst nur erahnen. „Schrotthallen“ prägten das brach liegende Industriegelände damals in seiner Erinnerung. „Was machst du mit so ‘nem Komplex?“, war die Frage, die er sich stellte. Wer dabei gewesen wäre, hätte später das Herumspinnen im leeren Gaskessel ein wenig als Déjà Vu empfinden können.

Nicht zuletzt will er auch Wuppertal gestalten, die Stadt weiter lebenswert machen und dabei auch die Umwelt im Blick haben. Viel zu wenig macht man bisher aus der Wupper, findet Drescher: „Der Wupperverband muss sich mal öffnen.“ Kaum Zweifel, dass dazu künftig noch zu hören sein wird.

Info:
www.altepapierfabrik.eu
www sport-park.de


Text: Martin Hagemeyer

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