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Geschichten vom Arrenberg - 27. August

Zeigt her Eure Hufe, zeigt her Eure Schuh‘

Maggi Schönenberg ist Händlerin für Outdoor-Fußbekleidung.
Die Mode ist ihren Kunden dabei ziemlich schnuppe.

Sobald man mal auf die Fahrzeugbeschriftungen und Unternehmensnamen achtet, kann es schon erstaunen, wie viele eigenartige, seltene, gar gänzlich unbekannte Berufe und Gewerke es im eigenen Viertel gibt. Auch am Arrenberg mit dessen guter, vielfältiger Mischung an Menschen und Professionen sind immer wieder Entdeckungen zu machen. Zu diesen zählt auch das Hufschuh-Mobil von Margit (Maggi) Schönenberg, das fast täglich von der Friedrich-Ebert-Straße aus aufbricht, um Kunden im ganzen Oberbergischen Raum, im Ruhrgebiet und am Niederrhein zu besuchen. Maggi ist mobile Schuhverkäuferin – für Pferde, von denen es ja heißt, dass auf deren Rücken das Glück dieser Erde liegt. Das Glück der Pferde hingegen lässt sich weiter unten finden, nämlich an deren Füßen. Maggis Beruf gehört zu den seltenen; etwa 40 gibt’s in Deutschland von ihrer Art. Das Produkt, um das es hier geht, ist nämlich immer noch neu und erst seit etwa zehn Jahren markt- und zukunftsfähig. Um den Wandel dieser zugleich historischen Branche zu ermessen, lohnt eine kleine Reise in die Vergangenheit:

Das Pferd hat vor, hinter und unter dem Menschen seit jeher viel mitmachen müssen: Vor Streitwagen gespannt und später in der Kavallerie hatte es schon in der Antike unnatürlich lange Strecken zurückzulegen, auf Böden, die zu hart und steinig für seine Hufe waren. Bereits die alten Ägypter bauten ihm geflochtene Bastsandalen und Lederschuhe, die jedoch kaum ihren Zweck erfüllten, erst recht nicht im Krieg, für den die Tiere seit jeher bevorzugt eingesetzt wurden.

Die ersten in den Huf genagelten Eisenbeschläge schreibt man den Kelten im 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung zu. Richtig populär wurde das Beschlagen erst 700 Jahre später, und ab der Jahrtausendwende setzte man Pferde auch als Arbeitstiere für die Landwirtschaft ein. Nun wurde genagelt, was das Zeug hielt – vor allem, wenn irgendeine Armee zu den Waffen und Pferden rief: Der Hufschmied wurde zum unentbehrlichen Handwerker in Stadt und Land. In Friedenszeiten durften die Pferde oftmals unbeschlagen laufen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, mit der boomenden Sportreiterei, setzte sich der dauerhafte Beschlag endgültig durch, zum Nachteil des Gesundheitszustandes der Tiere, deren Füße ebenso sensible und in den Körper hineinwirkende Körperteile sind wie zum Beispiel auch bei den Menschen. Details sind bitte in der Fachliteratur nachzulesen, denn hier geht es um Maggi: Bereits mit drei Jahren kletterte sie – eigenständig und unerlaubt – auf den Rücken eines gutmütigen Pferdes und fand dort ihren liebsten Ort. Als sie später, nach Pädagogikstudium und einem Krämerladen an der Universität, einmal Hufschuhe für ihr damaliges Pferd kaufen wollte, funktionierte dies einfach nicht. Da entschied sie kurzerhand: Das kann ich besser und hier liegt eine Zukunft, die zu entwickeln sich lohnt! Sie machte eine Ausbildung zur Hufpflegerin, von Beginn an mit dem Ziel der Hufschuhfachberaterin. Das Gebiet war noch neu, denn erst modernste Materialien und Technologien ermöglichen seit etwa zehn Jahren den Bau gut sitzender und bezahlbarer „Sneaker für Rösser und Zossen“.

Die Entwicklung hinter alledem ist elementar: Es geht um die Umstellung beschlagener Pferde zum Barfusslaufen und zum temporären Tragen komfortablen Schuhwerks. Diese Arbeit erfordert Fachkenntnisse auf mehreren Gebieten: in der Hufpflege mit fast tierärztlichem Verständnis, in der „Pferdeflüsterei“ mit einfühlendem Talent, in der Materialkunde und im unternehmerischen Bereich. Nur werben muss Maggi nicht viel, denn ihr Kalender ist bestens gefüllt; der Ruf als Fachfrau eilt ihr voraus und sogar Hufschmiede verteilen ihre Adresse. Und wo passt eine solche Leidenschaft, einen überfälligen Wandel voranzutreiben, schon besser hin als an den Arrenberg?

Info: www.hufschuh-mobil.de

Text: Max Christian Graeff



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