Zeitgenössische Suppenrunde Grölle pass:projects

Jürgen Grölle ist den Kunstinteressierten unserer Stadt seit über 25 Jahren eine Begriff. Die Grenzen des Tals hat er dabei weiträumig gesprengt – bundesweite und internationale Ausstellungen führten ihn und seine Werke bis nach Chicago, sein autodidaktisches Saxophonspiel mit Peter Kowald und Peter Brötzmann auf die Bühne.

Jürgen Grölle hat sich als Maler und Musiker selten um Konventionen gekümmert. Einfach machen, Ideen umsetzen, Spaß haben und Intensität vermitteln sind die Grundlagen seines Wirkens. Nach einer Ausbildung zum Anlagenelektroniker studierte Grölle Kommunikationsdesign bei Badura, Schwarzbauer und Brock in Wuppertal. Anschließend inspirierte ihn Wien und er blieb dort einige Jahre hängen, studierte freie Malerei und initiierte dort das Kunst- und Performancetheater „Gang-Art“. Grölle ließ sich und seiner Kunst freien Lauf. Seine Bilder fanden schnell Beachtung, er neugierte ständig nach allen Seiten und vermischte sein Treiben mit dem ähnlich gearteter Kollegen aus dem weitläufigen Kunstbereich.

Den Pinsel hat er seit mittlerweile 6 Jahren vorübergehend beiseite gelegt. Sehr erstaunlich, wenn man die Einschätzung des amerikanischen Kunstkritikers Paul Krainak über Jürgen Grölle in „Die Beharrlichkeit der abstrakten Kunst” liest: „Bei Jürgen Grölle haben wir es mit einem Maler zu tun, der sich mit der Komplexität und den Widersprüchen im Formalismus auseinandersetzt und der von einem tiefen Bedürfnis zu malen getrieben wird“. Doch Bedürfnisse ändern sich und Jürgen Grölle hat in den letzten Jahren die Seite der Kunst- und Sinnvermittlung für sich entdeckt. Er arbeitet mit hoffnungslosen Jugendlichen, vermittelt eingegangenen Existenzen neue Energie oder hilft Frauen aus eingeengten Migrationsverhältnissen, sich ihrer selbst bewusst zu werden. Träger wie die Bergische Volkshochschule oder Alpha e.V. stehen hinter den Projekten. Für die Junior-Uni ist er als Dozent tätig.

So ist Grölle derzeit nicht getrieben sondern treibt an. Ganz in diesem Sinne hat er sich mit seiner neuesten Idee an der Wupper ein Labor für Experimente und Visionen geschaffen. Grölle pass:projects nennt er seinen Raum für zeitgenössische Kunst. Ausstellungen, Perfomances, Lesungen, Happenings – hier kann und soll vieles stattfinden.

Die Begrifflichkeit pass:projects an sich lässt dabei schon viel Platz für Ideen und Assoziationen. Erste Erfolge und Aufmerksamkeiten haben sich inzwischen eingestellt – intensive Kommunikation, interessante Menschen und ausgestellte Kunst, die manchen Besucher dazu nötigt hunderte Kilometer bis an die Wupper zu kommen, sind die Früchte des ersten Halbjahres. Für einen Besuch bei Grölle pass:projects muss man aber nicht bis zum nächsten amtlichen Termin warten.

Donnerstags gibt es zudem eine Suppenrunde, bei der man sich trifft, denkt und redet. Berührungsängste sollte man übrigens sicherheitshalber zu Hause lassen. Schließlich hat Jürgen Grölle selbst nie welche gehabt.

www.passprojects.com
Friedrich-Ebert-Straße 143e · 42117 Wuppertal
 

Text: Wolfgang Rosenbaum




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