Auf dem Weg zum klimaneutralen Stadtviertel
Das Klimaquartier
Der Arrenberg ist in Bewegung. Was früher einmal ein ganz klassisches Wuppertaler Arbeiterviertel war, geprägt von industriellem Strukturwandel und in die Jahre gekommenen Gründerzeithäusern, hat sich klammheimlich in ein lebendiges Vorzeigeviertel verwandelt. Als urbanes Reallabor erproben wir, wie der klimaneutrale und sozial gerechte Umbau eines bestehenden Stadtquartiers ganz konkret und von unten heraus gelingen kann. Klimaschutz fängt bei uns nämlich nicht in der großen Politik an, sondern direkt vor der eigenen Haustür, im eigenen Keller und auf dem Teller.
Die Vision eines klimaneutralen Quartiers
Unser Ziel ist so ehrgeizig wie notwendig: Wir wollen den Arrenberg zu einem komplett klimaneutralen Quartier machen, ohne dabei den sozialen Zusammenhalt aus den Augen zu verlieren. Nachhaltigkeit darf kein elitäres Luxusprojekt sein. Es geht darum, die Lebensqualität für alle Menschen im Viertel spürbar zu verbessern – durch bezahlbaren Wohnraum, gesundes Essen, saubere Luft und ein starkes Miteinander. Um das zu erreichen, bündeln wir das Engagement von Ehrenamtlichen, Nachbarn, Wissenschaftlern und lokalen Unternehmen in den drei großen Zukunftsfeldern Energie, Ernährung und Mobilität. Ideen, Projekte und Visionen – nicht alles funktioniert in der Praxis, aber was läuft, motiviert zu mehr.
Energie gemeinsam neu denken
Im Bereich der Energie haben wir die Stromversorgung völlig neu gedacht: Energie erzeugen genau dort, wo wir sie verbrauchen. In enger Kooperation mit der Bergischen Universität Wuppertal und den Wuppertaler Stadtwerken entstand ein Forschungsprojekt bei dem vernetzte Photovoltaikanlagen auf den Dächern des Viertels und ein Blockheizkraftwerk ganze Straßenzüge zu einem intelligenten, virtuellen Großkraftwerk zusammenschalten sollten. Dank des WSW-Energiewetters, einem einfachen Ampelsystem nach dem Motto »Waschen, wenn der Wind weht«, können alle Stromnutzer*innen sehen, wann besonders viel grüner Strom im Netz verfügbar ist. Ziel ist eine echte Energiebörse im Viertel, bei der Strom direkt im Quartier gehandelt wird und sowohl Hausbesitzer als auch Mieter finanziell und ökologisch davon profitieren. Aus diesen Projekten entwickelte sich ein Start-up, das mit einer Energiequartier-App die Energiewende im Stadtteilen voranbringen will.
Gutes Klima beginnt beim Essen
Unter dem Slogan »Gutes Klima fängt aber auch beim Essen an« zeigen wir, dass auch unsere Ernährung einen Einfluss auf das Klima hat – das weltweite Klima und das nachbarschaftliche Klima im Viertel. Praktisch erleben kann man das zweimal im Jahr beim Restaurant Day. Nachbar*innen öffnen für einen Tag ein Restaurant oder Café in der Wohnung, im Garten oder der eigenen Garage oder auch beim wöchentlichen Lebensmittelretten. Hunderte Kilo Essbares werden jede Woche vor der Mülltonne gerettet und im Viertel verteilt. Ein echtes Highlight ist der hochmoderne, hydroponische Container mitten im Viertel, in denen wassersparend tausende Salatköpfe direkt für den Verzehr nebenan heranwachsen. Ergänzt wird dieser »essbare Arrenberg« durch eine Solidarische Landwirtschaft im Wuppertaler Umland, die Hühneraktie mit Bioeiern im Abo, der Olivenöl-Gemeinschaftsbestellung und Urban Gardening in den Hinterhöfen. Dass Klimaschutz und Genuss zusammengehören, zeigten Formate wie das interkulturelle Kochen »Geschmack meiner Kindheit«, die Schnippeldisko aus Restlebensmitteln oder nachhaltige Kochkurse in der Nachbarschaftsküche.
Neue Mobilität und Ressourcenschutz
Zu einem klimaneutralen Viertel gehört natürlich auch eine neue Mobilität und der bewusste Umgang mit Ressourcen. Wir probieren aus, wie moderne Sharing-Konzepte – vom E-Lastenrad bis zum elektrischen Quartiersfahrzeug – den Parkdruck mindern und die Straßen wieder den Menschen zurückgeben können. Wir haben eine Studie zu Mobilitätsstationen am Arrenberg begleitet und für zusätzliche Rad-Abstellplätze eingesetzt. Gleichzeitig setzen wir ein starkes Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft mit unserer Aktion »Müllionäre«. Ressourcen schonen und Produkte länger nutzen, wirkt sich positiv auf den eigenen Geldbeutel und das Klima aus. Damit jede und jeder selbst Gegenstände reparieren, basteln, upcyceln und tauschen kann haben wir die offene Nachbarschaftswerkstatt Arrenbergstatt eingerichtet und mit der Evangelischen Kirchengemeinde ein monatliches Repartaur-Café eröffnet. Bei Aktionstagen wie Pump My Bike reparieren wir gemeinsam Fahrräder, im Nähkästchen steht gemeinschaftliches Upcycling im Vordergrund, beim Fummel-Rummel wird Secondhand-Mode getauscht und beim Bücherberg findet gebrauchte Literatur neue Abnehmer.
Gemeinsam mehr erreichen
Wir kooperieren mit Firmen, Vereinen und Initiativen, die mit an der Vision vom Klimaquartier arbeiten und Kompetenzen einbringen, die wir nicht haben. Mit der Bergische Bürgerenergiegenossenschaft und dem Verein Kurs21 bilden wir eine Bürogemeinschaft im Stadtteilzentrum. Die Genossenschaft sammelt Geld und investiert in Solaranlagen auf öffentlichen Gebäuden. Kurs21 bietet Bildung für nachhaltige Entwicklung für Schüler*innen an, zum Beispiel das jährliche Energiewendecamp am Arrenberg.
Jetzt mitgestalten
Ein Klimaquartier lebt nicht von theoretischen Konzepten auf dem Papier, sondern vom Machen. Mut zum Ausprobieren und auch mal zum Scheitern gehören bei uns fest dazu, denn nur wer anfängt, kann etwas verändern. Egal ob du dich für Solarenergie begeisterst, Gemüse anbauen möchtest, handwerklich anpacken willst oder einfach nur nette Leute suchst: Jede Hand und jede Idee zählt. Werde Teil unserer Gemeinschaft, unterstütze unsere Projekte oder komm einfach auf einen Kaffee im Vereinslokal vorbei. Lass uns gemeinsam das Morgen gestalten!
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