Auf dem Weg zum klimaneutralen Stadtviertel

Das Klimaquartier
Bild: Ulrich T. Christenn

Das Klimaquartier

Vom Arbeiterviertel zum Reallabor

Der Arrenberg ist in Bewegung. Was früher einmal ein ganz klassisches Wuppertaler Arbeiterviertel war, geprägt von industriellem Strukturwandel und in die Jahre gekommenen Gründerzeithäusern, hat sich klammheimlich in ein lebendiges Vorzeigeviertel verwandelt. Als urbanes Reallabor erproben wir, wie der klimaneutrale und sozial gerechte Umbau eines bestehenden Stadtquartiers ganz konkret und von unten heraus gelingen kann. Klimaschutz fängt bei uns nämlich nicht in der großen Politik an, sondern direkt vor der eigenen Haustür, im eigenen Keller und auf dem Teller.

Die Vision eines klimaneutralen Quartiers

Unser Ziel ist so ehrgeizig wie notwendig: Wir wollen den Arrenberg zu einem komplett klimaneutralen Quartier machen, ohne dabei den sozialen Zusammenhalt aus den Augen zu verlieren. Nachhaltigkeit darf kein elitäres Luxusprojekt sein. Es geht darum, die Lebensqualität für alle Menschen im Viertel spürbar zu verbessern – durch bezahlbaren Wohnraum, gesundes Essen, saubere Luft und ein starkes Miteinander. Um das zu erreichen, bündeln wir das Engagement von Ehrenamtlichen, Nachbarn, Wissenschaftlern und lokalen Unternehmen in den drei großen Zukunftsfeldern Energie, Ernährung und Mobilität. Ideen, Projekte und Visionen – nicht alles funktioniert in der Praxis, aber was läuft, motiviert zu mehr.

Energie gemeinsam neu denken

Bild: Ulrich T. Christenn

Im Bereich der Energie haben wir die Strom­versorgung völlig neu gedacht: Energie erzeugen genau dort, wo wir sie verbrauchen. In enger Kooperation mit der Bergischen Universität Wuppertal und den Wuppertaler Stadtwerken entstand ein Forschungs­projekt bei dem vernetzte Photo­voltaik­anlagen auf den Dächern des Viertels und ein Block­heiz­kraftwerk ganze Straßenzüge zu einem intelli­genten, virtuellen Groß­kraftwerk zusammen­schalten sollten. Dank des WSW-Energie­wetters, einem einfachen Ampelsystem nach dem Motto »Waschen, wenn der Wind weht«, können alle Stromnutzer*innen sehen, wann besonders viel grüner Strom im Netz verfügbar ist. Ziel ist eine echte Energiebörse im Viertel, bei der Strom direkt im Quartier gehandelt wird und sowohl Hausbesitzer als auch Mieter finanziell und ökologisch davon profitieren. Aus diesen Projekten entwickelte sich ein Start-up, das mit einer Energie­quartier-App die Energiewende im Stadtteilen voranbringen will.

Gutes Klima beginnt beim Essen

Lebensmittelretten
Bild: Aufbruch am Arrenberg

Unter dem Slogan »Gutes Klima fängt aber auch beim Essen an« zeigen wir, dass auch unsere Ernährung einen Einfluss auf das Klima hat – das weltweite Klima und das nachbar­schaftliche Klima im Viertel. Praktisch erleben kann man das zweimal im Jahr beim Restaurant Day. Nachbar*innen öffnen für einen Tag ein Restaurant oder Café in der Wohnung, im Garten oder der eigenen Garage oder auch beim wöchentlichen Lebensmittel­retten. Hunderte Kilo Essbares werden jede Woche vor der Mülltonne gerettet und im Viertel verteilt. Ein echtes Highlight ist der hochmoderne, hydro­ponische Container mitten im Viertel, in denen wassersparend tausende Salatköpfe direkt für den Verzehr nebenan heranwachsen. Ergänzt wird dieser »essbare Arrenberg« durch eine Solidarische Landwirt­schaft im Wuppertaler Umland, die Hühneraktie mit Bioeiern im Abo, der Olivenöl-Gemeinschafts­bestellung und Urban Gardening in den Hinterhöfen. Dass Klimaschutz und Genuss zusammengehören, zeigten Formate wie das inter­kulturelle Kochen »Geschmack meiner Kindheit«, die Schnippeldisko aus Restlebens­mitteln oder nachhaltige Kochkurse in der Nachbar­schafts­küche.

Neue Mobilität und Ressourcenschutz

Bild: Ulrich T. Christenn

Zu einem klimaneutralen Viertel gehört natürlich auch eine neue Mobilität und der bewusste Umgang mit Ressourcen. Wir probieren aus, wie moderne Sharing-Konzepte – vom E-Lastenrad bis zum elektrischen Quartiers­fahrzeug – den Parkdruck mindern und die Straßen wieder den Menschen zurückgeben können. Wir haben eine Studie zu Mobilitäts­stationen am Arrenberg begleitet und für zusätzliche Rad-Abstell­plätze eingesetzt. Gleichzeitig setzen wir ein starkes Zeichen gegen die Wegwerf­gesell­schaft mit unserer Aktion »Müllionäre«. Ressourcen schonen und Produkte länger nutzen, wirkt sich positiv auf den eigenen Geldbeutel und das Klima aus. Damit jede und jeder selbst Gegenstände reparieren, basteln, upcyceln und tauschen kann haben wir die offene Nachbarschaftswerkstatt Arrenbergstatt eingerichtet und mit der Evangelischen Kirchengemeinde ein monatliches Repartaur-Café eröffnet. Bei Aktionstagen wie Pump My Bike reparieren wir gemeinsam Fahrräder, im Nähkästchen steht gemeinschaftliches Upcycling im Vordergrund, beim Fummel-Rummel wird Secondhand-Mode getauscht und beim Bücherberg findet gebrauchte Literatur neue Abnehmer.

Gemeinsam mehr erreichen

Bild: Ulrich T. Christenn

Wir kooperieren mit Firmen, Vereinen und Initiativen, die mit an der Vision vom Klima­quartier arbeiten und Kompetenzen einbringen, die wir nicht haben. Mit der Bergische Bürger­energie­genossen­schaft und dem Verein Kurs21 bilden wir eine Bürogemeinschaft im Stadtteil­zentrum. Die Genossen­schaft sammelt Geld und investiert in Solaranlagen auf öffentlichen Gebäuden. Kurs21 bietet Bildung für nachhaltige Entwicklung für Schüler*innen an, zum Beispiel das jährliche Energie­wendecamp am Arrenberg.

Jetzt mitgestalten

Bild: Ulrich T. Christenn

Ein Klimaquartier lebt nicht von theoretischen Konzepten auf dem Papier, sondern vom Machen. Mut zum Ausprobieren und auch mal zum Scheitern gehören bei uns fest dazu, denn nur wer anfängt, kann etwas verändern. Egal ob du dich für Solarenergie begeisterst, Gemüse anbauen möchtest, handwerklich anpacken willst oder einfach nur nette Leute suchst: Jede Hand und jede Idee zählt. Werde Teil unserer Gemeinschaft, unterstütze unsere Projekte oder komm einfach auf einen Kaffee im Vereinslokal vorbei. Lass uns gemeinsam das Morgen gestalten!